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Der Haferlschuh - ein Oberstdorfer?

Leo Dorn, Leibjäger des Prinzregenten Luitpold von Bayern und der Oberstdorfer Josef Schratt, Hofschuhmachermeister mehrerer Königshäuser hatten im Jahr 1803 die Idee, einen Schuh herzustellen, der Gemshufen nachempfunden ist. Der Jäger wünschte sich einen Schuh, mit dem man im steinigen Gebirge ebenso gut zurechtkommt, wie die flinken Kletterkünstler.

Der Sohlenrand sollte hart sein, um die Griffigkeit zu gewährleisten. Der Innenteil dagegen weich, um sich besser dem Untergrund anpassen zu können. Die schmalen Hufe der Gemsen wurden ebenfalls in diesem Entwurf aufgegriffen, indem die Laufsohle schmäler und kürzer als der Fuß, dafür aber stark unterbaut wurde. Um dem Fuß dennoch angenehm Platz zu bieten, wurde die typische Schiffchenspitze entwickelt, die wie ein Schiffsrumpf vorne über die Sohle hinausragt. Um den Schuh perfekt zu machen, wurde der Tragekomfort erhöht, indem die Knöchelpartien tief ausgeschnitten und im Gegenzug für einen festen Sitz die Fersenpartie höher gezogen wurde, als bei üblichen Halbschuhen.

Die ersten Schuhe dieser Art wurden vorwiegend von Jägern und Bauern zur Arbeit getragen, was ihnen den Namen Jägerschuh einbrachte, der auch heute noch von vielen Oberallgäuern verwendet wird. Von Touristen wurde die Kombination aus Zweckmäßigkeit und schlichter Eleganz sehr geschätzt und so verbreitete sich dieses Schuhmodell nach und nach immer mehr. Ein Schuhklassiker war entstanden.

Die oberbayerischen Haferlschuhe unterscheiden sich wesentlich von diesem Modell. Besonders beim Schiffchen wird der Unterschied deutlich, das nur im Allgäu so ausgeprägt zu finden ist. Außerdem werden zwei Schnürvarianten hergestellt. Die Seitenschnürung wird vorwiegend im oberbayerischen Raum getragen. Die ursprüngliche Mittelschnürung ist im Allgäu üblich. In vielen Vereinen wird dieser Schuh auch von den Frauen getragen.

Wie bei vielen Erfindungen ist es allerdings auch beim Jägerschuh so, dass sein Ursprung nicht mehr ganz genau nachempfunden werden kann. Daher mangelt es auch dieser Geschichte an eindeutigen Belegen. Tatsache ist aber, dass das Erscheinungsbild unserer Schuhe sich von den meisten "Haferlschuhen" im Alpenraum unterscheidet und maßgeblich zu unserer Oberallgäuer Tracht beiträgt.

Die typischen Edelweißhosenträger

Ein Markenzeichen der Oberallgäuer Gebirgstracht sind die handbestickten Edelweiß-Hosenträger. Schon bevor 1740 die Leder-Hosenträger aufkamen, waren diese bekannt. Ihr Ursprung geht also zurück bis Anfang des 18. Jahrhunderts. Damals waren die Hosenträger aus Tuch in verschiedenen Farben, hauptsächlich jedoch im heute üblichen grün. Als Hosenträger wurde oft das doppelt oder dreifach eingenähte Ende der Stoffballen verwendet. Diese besondere Verstärkung versprach eine gute Haltbarkeit.

Die Stickerei entwickelte sich nach und nach. So wurde zuerst nur der Steg bestickt. Eine der ältesten Fotografien, die diese Variante zeigen, stammt von 1850. Danach kam die komplette Vorderseite hinzu und schließlich auch die Rückseite. Im Oberstdorfer Heimatmuseum können Stickmodl mit einer Jahreszahl von 1756 bewundert werden. Heute sind die Hosenträger üblicherweise mit fünfzehn Edelweiß bestickt. Drei auf dem Steg, acht auf den Trägern vorne und vier auf der Rückseite.

Gestickt wird mit Sockenwolle oder Garn. Blütensterne und Blätter werden mit dem Blattstich gestickt, für den Stengel wird der Stielstich verwendet. Der „Butzen“ besteht aus lauter Schlaufen, die aufgeschnitten werden. Alternativ werden auch Knoten mit dem Knötchenstich gemacht. Anschließend werden dort mit anderen Farben Akzente gesetzt. Die Zacken der Hosenträger werden traditionell von Hand geschnitten.

Warum gerade Edelweiß als Stickerei verwendet wurden, ist nicht genau bekannt. Man vermutet aber, dass es auf die Armut der Region zurückgeht. Naturweiße Wolle war fast überall vorhanden und entsprechend leicht zu bekommen, was diesen Verdacht nahelegt.

Eine Weile gab es nur noch vereinzelt Stickerinnen, die diese Kunst beherrschten. In den letzten Jahren gibt es jedoch immer mehr Frauen, die das alte Handwerk wieder erlernen und so verhindern, dass die Hosenträger „industrialisiert“ werden. Bereits jetzt gibt es vermehrt Angebote zu Billigpreisen aus Fernost. Wenn man bedenkt, dass hinter einem ordentlich gestickten Paar Hosenträger mindestens 35 Stunden Arbeit stecken und beim Material auf höchste Qualität geachtet wird, kann sich jeder selbst den Wert ausrechnen.

Eine, die dieses Handwerk von Grund auf erlernt hat, ist Heidi Baumgartner aus Oberstdorf. Bereits ihre Vorfahrinnen haben Hosenträger bestickt. In Kursen gibt die Handstickermeisterin ihr Wissen weiter.