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Interessen-Gemeinschaft der Oberallgäuer Gebirgstrachten und der Historischen Tracht

Interessen-Gemeinschaft der Oberallgäuer Gebirgstrachten und der Historischen Tracht des Altlandkreises Sonthofen mit Sitz in Oberstdorf. Im weiteren kurz "IG-Tracht Oberallgäu" genannt.

Die IG-Tracht Oberallgäu wurde im April 1969 gegründet und hat 27 Mitgliedsvereine mit insgesamt 7240 Mitgliedern, davon 800 Jugendlichen unter 16 Jahren.

Geleitet wird die Vorstandschaft vom 1. Vorsitzenden, 2. Vorsitzenden, Schriftführer, Kassier und fünf Beisitzern.

Die Vorstandschaft

 
Armin Kling
1. Vorsitzender

Gabriel Höbel
2. Vorsitzender

 
 
Barbara Probst
Schriftführerin

Alexandra König
Kassiererin



 
Karin Feldkircher
1. Beisitzer
Trachtenwartin


Michael Haberstock
2. Beisitzer
Sachgebiet Schuhplattler
und Volkstanz



 
Roland Zeller
3. Beisitzer
Stellv. Jugendleiter

Hans-Jörg Keck
4. Beisitzer
Jugendleiter

 
   
Klaus Schmid
Sachgebiet Alphorn
   

Ehemalige Vorstände

 

1969 - 2000 Anton Köcheler (gest. 08.09.2013)
2000 - 2008 Siegfried Bellot
2008 - 2010 Werner Griesche

Ehrenmitglieder

Martin Alt Ehrenmitglied seit 2009
Siegfried Bellot Ehrenmitglied seit 2008

Gründungsgeschichte der IG Tracht

Bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann ein Trend, alles zu „schwäbisieren“, was zum Regierungsbezirk Schwaben gehörte. Durch den zweiten Weltkrieg kam diese Bewegung zum Erliegen, um bald danach verstärkt voranzuschreiten. Ein großer Streitpunkt war dabei, dass die Allgäuer Gebirgstracht nicht als eigenständige Tracht anerkannt, sondern als „abgekupferte oberbayrische Tracht“ eingestuft wurde und daher nicht förderungswürdig war. Dabei kam es zu teils massiven Beleidigungen gegenüber der Allgäuer Gebirgstrachtler, die in einer Podiumsdiskussion im Gasthof Schäffler in Altstädten gipfelte. Nach diesem Ereignis setzten sich die Vereine aus Oberstdorf, Fischen und Hindelang zusammen und der Plan zur Gründung einer IG gegen diese „Schwäbisierung“ war geboren. Zu den „Geburtshelfern“ der Idee gehörten Hans Kaufmann aus Hindelang, Toni Vogler, Hans Grill und Helmut Althaus aus Fischen und Alois Brutscher, Sepp Schleich und Anton Köcheler aus Oberstdorf.

Um in keinster Weise gegen den Gauverband oder sonstige Landesverbände des Trachtenwesens in Konkurrenz zu treten wurde beschlossen, sich bei den Mitgliedern auf den Landkreis Sonthofen zu beschränken. Dieser Beschluss wurde auch in die Gründungssatzung aufgenommen.

Nach mehreren Vorgesprächen fand schließlich am 29. April 1969 im Gasthof Weilers Speiserestaurant in Oberstdorf die Gründungsversammlung der „Interessengemeinschaft der Allgäuer Gebirgstrachten und der historischen Tracht“ statt.

Von 18 anwesenden Vereinen traten diese 16 sofort bei

Gebirgstrachen- und Heimatschutzverein Oberstdorf
Gebirgstrachtenverein D`Ostrachtaler Hindelang
Trachten- und Heimatverein D`Holzar Fischen
Gebirgstrachten-Erhaltungsverein Almrausch Oberstdorf
Trachten- und Heimatverein Burgberg
Gebirgstrachtenverein Edelweiß Sonthofen
Gebirgstrachten-Erhaltungsverein D`Illertaler Immenstadt
Trachtenverein D`Älpler Immenstadt
Trachtenverein D`Stoinebergler Immenstadt
Gebirgtrachenverein Wertach
Schuhplattlergruppe Schöllang
Gebirgstrachtenverein D`Breitachtaler Tiefenbach/Oberstdorf
Trachten- und Heimatverein Altstädten
Trachtenverein D`Dörfler Bolsterlang
Gebirgstrachten-Erhaltungsverein D`Burgglöckler Au-Thalhofen
Gebirgstrachtenverein Alpenkranz Tiefenbach/Sonthofen


Aus diesen 16 Mitgliedsvereinen hatte die IG zur Gründung 2781 Mitglieder.

Die Gründungsvorstandschaft setzte sich folgendermaßen zusammen:

1.Vorsitzender Anton Köcheler, Oberstdorf
2.Vorsitzender Hans Kaufmann, Hindelang
Schriftführer Hans Grill, Fischen
Kassier Alois Schmieder, Burgberg
1. Beisitzer Thaddäus Göhl, Tiefenbach/Oberstdorf
2. Beisitzer Peter Kösel, Immenstadt
3. Beisitzer Edmund Neuhauser, Wertach


In der Gründungssatzung heißt es zu Sinn und Zweck der IG
 
1. Wahrung der Interessen zur Erhaltung und Förderung der Gebirgstracht und der historischen Tracht.
2. Wahrung und Schutz gegen artfremde Einflüsse.
3. Wahrung und Schutz der Allgäuer Mundartlieder und Jodler.
4. Wahrung der Interessen der Allgäuer Trachtenvereine bei allen öffentlichen Ämtern und Institutionen.
5. Förderung der Liebe zum Heimatkreis und Wahrung der Interessen zum Schutze unserer Heimat und Landschaft.
6. Erfahrungsaustausch der angegliederten Vereine und Untergruppen über gemeinsame Interessen.
7. Politische Tendenzen sind in jeder Hinsicht ausgeschlossen.


Innerhalb von zwei Jahren mit zähen Verhandlungen und dank intensiver Nachforschungen von Vorstand Anton Köcheler konnte nachgewiesen werden, dass die Allgäuer Gebirgstracht als solche anerkannt wurde. Erstmals gab es vom Landkreis Zuschüsse, die es für Gebirgstrachten bisher nie gab. Diese Zuschüsse waren nur den erneuerten schwäbischen Trachten vorbehalten.  In einem Protokoll heißt es hierzu:


„ Die Sprecher der Interessengemeinschaft sind sich mit dem schwäbischen Heimatpfleger in folgenden Punkten einig:
Die Oberallgäuer legen entschiedenen Wert auf die Feststellung, dass die von ihnen getragenen Allgäuer Gebirgstrachten keine Imitation der bayerischen Tracht ist, sondern eine Tracht, die bereits zwei Menschenalter vor dem Prinzregenten in Hindelang und Oberstdorf nachweislich getragen worden ist.

… Die Gesprächspartner wollen sich aufrichtig bemühen, dass Entgleisungen, wie sie in der Vergangenheit bedauerlicherweise passiert sind, sich in Zukunft nicht mehr ereignen.“


Bis diese Anerkennung den Gebirgstrachtlern auch von Seiten der Bezirksregierung von Schwaben zuteil wurde, sollten noch einige Jahre vergehen. 1991 veröffentlichte Anton Köcheler sein Buch „Die Gebirgstrachten im oberen Allgäu“, in dem er seine Erkenntnisse aus über 10 Jahren Forschungsarbeit der Öffentlichkeit zugänglich machte. Dieses Buch führte erneut zu diversen Diskussionen, fand aber letztendlich großen Anklang und ist auch heute noch ein wichtiges Dokument für die Geschichte Oberallgäuer Tracht. Dabei ist ganz klar festzustellen, dass es sich bei der Oberallgäuer Gebirgstracht um eine Alltagstracht, bzw. Arbeitskleidung handelt und nicht mit den Festtrachten der betuchten Bevölkerung zu vergleichen ist.

Auch wenn die Gründung der IG ursprünglich dazu gedacht war, die Vereine vor Anfeindungen von außen besser schützen zu können hat dieser „Trachtenstreit“ letztendlich dazu geführt, dass unter dem Dach der IG Erfolge erzielt wurden, die für einen Einzelverein so nicht möglich gewesen wären. Zudem konnte vieles geregelt werden, was sonst bis heute noch nicht bereinigt wäre.


Was aber damals wie heute den höchsten Stellenwert der IG Tracht hat, ist nach wie vor die Liebe zur Tracht, zum Brauchtum und zu unserer Oberallgäuer Heimat.